Der Austausch der körpereigenen Hornhaut gegen eine fremde Hornhaut kann notwendig werden, wenn die eigene Hornhaut unheilbar erkrankt ist und die Sehkraft des Patienten schwer beeinträchtigt ist. Dabei besteht entweder die Möglichkeit, die Hornhaut eines anderen Menschen (Hornhauttransplantation) oder eine künstliche Hornhaut (Keratoprothese) einzusetzen.
Anatomischer Hintergrund
Die Hornhaut ist sozusagen die „Windschutzscheibe“ des Auges. Sie schützt das empfindliche Augeninnere vor äußeren Einflüssen und stellt gleichzeitig sicher, dass Licht gebündelt auf die Augenlinse fallen kann, und anschließend auf die Netzhaut des Auges projiziert werden kann. Narben, Infektionen, Säureverätzungen oder andere Erkrankungen können zu einer Hornhauttrübung führen, die die Sehfähigkeit beeinträchtigt.

Eine regelmäßig strukturierte, klare und durchsichtige Hornhaut ist für ein scharfes Bild von großer Bedeutung. Wenn eine Erkrankung zu Trübungen der Hornhaut führt, kann kein klares Bild mehr entstehen. In einem solchen Fall wird normalerweise durch die Entfernung der getrübten Hornhaut und den Austausch gegen eine klare Hornhaut das Sehvermögen wiederhergestellt.
Bei einem Großteil dieser Hornhauttansplantationen wird nicht die komplette Hornhaut (Dicke: ca. 500 Mikrometer) ausgetauscht, sondern nur eine sehr dünne Schicht (sogenannte Lamelle) von nur 10-20 Mikrometer Dicke.
Es gibt aber auch Erkrankungen oder Verletzungen, bei welchen eine Verpflanzung der Hornhaut scheitert . Die oberste Schicht der Hornhaut muss der Transplantatempfänger selber bilden. Sie kann nicht transplantiert werden. Ist dies z.B. durch eine schwere Verätzung nicht mehr möglich, kann in diesen selteneren Fällen eine künstliche Hornhaut helfen, um die Sehfähigkeit des Patienten wieder zu verbessern. Weiterhin ist die Verfügbarkeit von menschlichen Spenderhornhäuten begrenzt.
Die Keratoprothese als letzte Alternative
Bei Erkrankungen der Hornhaut des Auges kommt es oft zur starken Reduktion der Sehkraft der Betroffenen. Als Therapiemöglichkeit in ausgewählten Fällen wird eine Transplantation der Hornhaut vorgenommen.
Für den sehr seltenen Fall , dass eine Hornhauttransplantation für einen bestimmten Patienten nicht möglich ist, wurden in den vergangenen Jahren von Forschern unterschiedliche Varianten künstlicher Hornhäute entwickelt. Diese so genannte Keratoprothese des Auges ist grundsätzlich aufgrund der speziellen Beschaffenheit der Hornhaut schwierig, aber möglich. So können Patienten nach der Implantierung der künstlichen Hornhaut in vielen Fällen ihre Sehfähigkeit wesentlich verbessern.
Der Einsatz künstlicher Materialen in den Körper ist problematisch, da sich das Körpergewebe in der Regel nicht fest mit künstlichem Material verbinden kann. Es kommt zu Immunreaktionen und häufig zur Abstoßung des fremden Materials. Es muss also ein Material eingebracht werden, mit dem das körpereigene Gewebe zusammenwachsen kann. Erst mit der sicheren Verankerung der künstlichen Hornhaut ist deren Funktion und damit die Verbesserung der Sehfähigkeit oder auch die Rettung des Augenlichts der Betroffenen möglich.
Boston KPro (Boston-Keraprothese)
Die sogenannte Boston-Keraprothese (Boston KPro) ist mit Abstand das am häufigsten durchgeführte Verfahren bei Hochrisikopatienten, für die eine Hornhaut-Transplantation nicht möglich ist. Es wird in den USA seit 1992 angewendet und seither stetig weiterentwickelt. In Deutschland trägt die Boston KPro erst seit 2015 eine CE-Kennzeichnung, sie stellt aber inzwischen eine zuverlässige Alternative für betroffene Patienten dar.

Indikation für den Eingriff ist einerseits eine beidseitige Erblindung (Visus von unter 5%), sowie entweder eine gescheiterte konventionelle Hornhauttransplantation oder deren geringe Erfolgsaussichten.
Die Boston KPro bedarf einer sogfältigen und intensiven Kontrolle im Anschluss an die Operation, um Langzeiterfolge erzielen zu können. In den letzten Jahren wurden weltweit über 11.000 Boston KPro-Behandlungen durchgeführt. Trotz der Erfolge ist das Verfahren mit einer höheren Komplikationsrate verbunden als eine normale Hornhauttransplantation.
Obwohl man bei einer Boston KPro von einer Keraprothese, also einer künstlichen Hornhaut spricht, ist das Verfahren dennoch auf eine Spenderhornhaut angewiesen . Die Spenderhornhaut wird dabei ähnlich wie bei einer Hornhauttransplantation eingepflanzt. Sie übernimmt hier jedoch nicht die optische Funktion einer Hornhaut, sondern dient als Befestigung für die eigentliche Prothese.
Diese Prothese besteht aus zwei Teilen :
- vorderer Teil aus transparentem Plastik: Eine Art Stift mit aufgesetzter Frontplatte
- hinterer Teil: Eine größere, kreisrunde Platte (inzwischen aus transparentem Plastik, früher aus Metall) mit Löchern und ein metallischer Fixierring
Der vordere Teil übernimmt die Licht-transportierende Funktion der Hornhaut, während der hintere Teil dem gesamten Aufbau Stabilität verleiht.
Die hintere Platte übernimmt neben der Fixierung des vorderen Prothesenteils auch die Funktion der Iris, welche zuvor entfernt wurde. Sowohl Spenderhornhaut als auch der hintere Teil der Prothese haben in der Mitte ein kreisförmiges Loch von der Größe der Pupille. Durch dieses Loch wird der Schaft des vorderen Prothesenteils geschoben und hinter der Ringplatte mit einem dünnen Ring fixiert.
Der Plastikkopf des vorderen Prothesenteils wird also einerseits durch die vernähte Spenderhaut und andererseits durch die Ringplatte in Position gehalten.
In den meisten Fällen wird die Prothese gut vertragen. Komplikationen können sich unter anderem in der Entwicklung eines erhöhten Augeninnendrucks (Grüner Star), in der Überwachsung der Optik mit Schleimhaut, eines Makulaödems oder einer retroprothetischen Membran zeigen. In vielen Fällen können diese Probleme allerdings behoben werden.
| Thema | Künstliche Hornhaut (Keratoprothese) |
|---|---|
| Bereich | Operationen |
| Art des Beitrags | Allgemeine Information, keine individuelle medizinische Beratung |
| Quelle | Archivbestand oculus-guide.com (Stand 2019) |
| Hinweis | Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Konsultieren Sie bei Beschwerden einen Augenarzt. |
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Konsultieren Sie bei Beschwerden einen Augenarzt.
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